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Vor mehr als hundert Jahren zählte Zotzenbach etwa 850 Einwohner und war von einem landwirtschaftlichen Charakter geprägt. Die meisten Bewohner verdienten ihren Lebensunterhalt auf den hiesigen kleineren und größeren Bauernhöfen als Knechte und Mägde. Wer auf dem Land keinen Tagelohn fand, mußte in die Stadt gehen, wo die ersten Fabriken entstanden, um dort sein täglich Brot zu verdienen. Ab dem 1. Juli 1895 konnte man mit der Eisenbahn nach Weinheim fahren, nachdem am 29. Juni 1895 die landespolizeiliche Abnahme der Eisenbahnstrecke erfolgt war.

Außer einigen kleinen handwerklichen Betrieben, wie Schmiede, Wagner, Tüncher, Schuhmacher, Mahlmühlen und Bäckereien, gab es damals in unserem Dorf schon (noch) sieben Gastwirtschaften. Seit dem Jahre 1826 hat Zotzenbach eine eigene Schule mit einem festangestellten Lehrer. Die evangelische Kirche wurde 1875 errichtet. Seit dieser Zeit bildet Zotzenbach mit Unter-Mengelbach und einem Gehöft aus Münschbach ein eigenes Kirchspiel.

Der Brandschutz wurde damals von einer Pflichtfeuerwehr wahrgenommen. Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Zotzenbach erfolgte im Jahre 1894. Letzter Kommandant der Pflichtfeuerwehr und erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr war Georg Michael Schütz V. (Germaniawirt).

Ausgerüstet war die Wehr zunächst mit einer vierrädrigen Handdruckpumpe und zwei kleinen zweirädrigen Druckpumpen, denen das Löschwasser zugetragen werden mußte. Dazu gehörte noch die Steigerausrüstung. Einem alten Protokoll zufolge wurde am 12. April 1896 die endgültige Fertigstellung der Ausrüstung für 45 Mann gemeldet.

Bezeichnend ist, daß man zu damaliger Zeit noch je einen Feuerläufer nach Rimbach und Weiher und einen Feuerreiter nach Mörlenbach vorgesehen hatte. Dann gab es noch den Stürmer, der im Brandfalle die Glocken zu läuten hatte. Die Wasserzubringer, Staumannschaften und Ordnungsmannschaften usw. waren der Pflichtfeuerwehr entnommen.

Nach 6jähriger Amtszeit als Kommandant legte Schütz sein Amt nieder, weil viele ältere Wehrmänner nach 5jähriger Dienstzeit ausgetreten waren.

Als neuer Kommandant wurde am 25. März 1901 Michael Pfeifer (Opa von Bäckermeister Peter Pfeifer, Schulstraße) gewählt. Am 10. März 1904 beschloß der Gemeinderat die Anschaffung einer vierrädrigen Saug- und Druckpumpe mit 120 m Schlauch. Die Pumpe wurde am 21. September des gleichen Jahres an die Wehr übergeben. Der Anschaffungspreis lag bei 1500 Mark. Hierzu gewährte die Brandversicherungskammer Darmstadt eine Beihilfe von 750 Mark.

Alte Schriftwechsel belegen, daß die in den Folgejahren angeschafften Ausrüstungsgegenstände immer wieder von der Großherzoglichen Brandversicherungskammer bezuschußt wurden.

Am 6. Juni 1906 wurde Adam Bangert V. (Opa von Walter Bangert) vom Herzoglichen Kreisamt in Heppenheim zum Kommandanten verpflichtet und vereidigt.

Im Jahre 1909 wurde das erste Zotzenbacher Wasserwerk im Waldstück "Welseck" (Die korrekte offizielle Gewannbezeichnung lautet "Hecke im Willes") errichtet. Das Fassungsvermögen des Hochbehälters betrug 120 m3. Etwa die Hälfte hiervon war als Brandreserve vorgesehen. Gespeist wurde dieser Hochbehälter von mehreren Quellen aus dem östlich hiervon gelegenen Gewann "Finsterklingen".

Die Errichtung dieses Hochbehälters war die Voraussetzung für den Bau der Gemeindewasserleitung im Jahre 1910. Nun konnte ein Hydrantenwagen angeschafft werden, was ein wesentlicher Fortschritt in der Brandbekämpfung bedeutete.

Die Verpflichtung und Vereidigung von Karl Schäfer (Opa von Liselotte Lannert) zum Kommandanten erfolgte am 18. März 1914 vor dem Großherzoglichen Kreisamt in Heppenheim.

Nach dem Ende des I. Weltkrieges wurde Karl Schäfer im September 1919 von Karl Gärtner als Kommandant abgelöst. Im Jahre 1925 wurde der Schlauchtrockenturm an der heutigen Schule fertiggestellt. Dieser ist in den sechziger Jahren der Schulerweiterung zum Opfer gefallen. Karl Gärtner blieb nahezu zwölf Jahre im Amt. In seiner Amtszeit erfolgte im Jahre 1930 die Bannerweihe.

Am 22. April 1931 wurde Nikolaus Bickel (Onkel von Wilhelm Bickel jun., Hauptstraße) auf das Kreisamt nach Heppenheim geladen. Er wurde nach vorheriger Eidesbelehrung nach folgender Eidesformel zum 1. Feuerwehrkommandanten von Zotzenbach verpflichtet: "Sie sollen geloben, Ihre Pflicht treu und gewissenhaft zu üben, Ihre Obliegenheiten ohne Ansehen der Person nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen, das Amtsgeheimnis zu wahren und Gesetz und Dienstanweisung getreulich zu befolgen."

Der Bevölkerung ist bekannt, daß einmal im Jahr eine Inspektionsübung durchgeführt wird. Dabei wird von vorgesetzter Dienststelle geprüft, ob die feuerwehrtechnischen Geräte sachgemäß gepflegt werden, ob die Aktiven damit umgehen können und wie deren theoretischer Ausbildungsstand ist. In nahezu ähnlicher Weise wurde vor bereits mehr als 60 Jahren verfahren. So bescheinigte der seinerzeitige Kreisfeuerwehrinspektor mit damaligem Sitz in Birkenau am 27. Juni 1932: "Die Geräte sind in Ordnung und die Ausbildung ist gut." Er bezog sich dabei auf die am Vortag absolvierte außerordentliche Übung der Feuerwehr in Zotzenbach.

1938 wurden offenbar eine Einstellspritze, Trage, Verteiler und zwei Handschläuche angeschafft. Darauf deutet eine Beitragsbewilligung der Brandversicherung hin.

Der Feuerwehrkommandant Nikolaus Bickel war zeitweise gleichzeitig Bürgermeister von Zotzenbach. Er trat vom Amt des Feuerwehrkommandanten im September 1939 zurück, nachdem er zuvor als Bürgermeister beurlaubt worden war.

Während des II. Weltkrieges und darüber hinaus bis 1948 wurde die Wehr kommissarisch von Michael Reibold sen. (Steinmetzmeister), Peter Schmitt (ehemals wohnhaft neben der Kirche) und von Leonhard Einberger sen. geleitet.

Während der Kriegsjahre wurde zur Verbesserung der Löschwasserversorgung in Unter-Mengelbach von unserer Wehr unter Leitung von Leonhard Einberger sen. ein Löschteich angelegt. Als geeigneten Platz hatte man hierzu das Wiesengelände von Rudi Bangert neben einem, übrigens heute noch vorhandenen Garten gewählt. Die Gartenstützmauer konnte somit als wasserstauendes Element mit herangezogen werden.

Zu Beginn des Jahres 1943 trug man sich bei der Gemeinde Zotzenbach mit dem Gedanken, eine Motorspritze zu erwerben. Gegenüber dem Landrat wurde das damit begründet, daß die Gemeinde weit auseinander gestreckt sei und noch die Gemeinde Unter-Mengelbach umfaßte. Viele Hofreiten lagen abseits des Ortsbaches und auch der Wasserleitung. Die Hofreiten wären somit bei Bränden schwer mit der Handfeuerspritze zu erreichen. Die Lieferfrist betrug allerdings drei Jahre, so daß man von vorgesetzter Dienststelle von einer Antragstellung abriet.

Wie alte Protokolle belegen, wurde die Löschwasserversorgung unter anderem dadurch gesichert, daß am Bachlauf verschiedentlich Rohre mit massiven Stauvorrichtungen eingebaut wurden. Am 19. Dezember 1943 führte der Kreisführer der Freiwilligen Feuerwehr (feuerwehrtechnischer Aufsichtsbeamter des Landrates des Kreises Bergstraße) Hübner, Rimbach, eine Inspektion durch. Dabei bemängelte er, daß die Stauvorrichtungen verschmutzt und verschlammt waren.

Kommandant Leonhard Einberger sen. wurde daraufhin mit Schreiben vom 28. Dezember 1943 vom Landrat angewiesen, sofort Männer bei der Feuerwehr zu bestimmen, die laufend die Stauvorrichtungen entschlammen sollten. Ein erster Termin hierzu wurde auf den 1. Januar 1944 festgesetzt.

Am 30. Januar 1945 unternahm man den erneuten Versuch, an eine Motorspritze zu gelangen, indem man den Kreisführer Hübner aus Rimbach einschaltete. Dieser unterstützte das Anliegen bereits am nächsten Tag in einem argumentativen Brief an den Landrat. In seinem Brief vom 2. März 1945 an den Höheren SS und Polizeiführer in Wiesbaden befürwortete auch der Landrat die Anschaffung einer Motorspritze für die Zotzenbacher Wehr. Nach Kriegsende wurde auf Rückfrage des Landrates am 16. November 1945 durch die Gemeinde geantwortet, daß eine Motorspritze nicht mehr erforderlich sei.

Im April 1948 wurden der Wagnermeister Wilhelm Bickel sen. zum Kommandanten und der Landwirt Johann Stein zu seinem Stellvertreter gewählt. Die Verpflichtung und Vereidigung erfolgte am 3. Mai 1948 durch den Landrat. Beiden gelang es, die aus dem Krieg heimgekehrten Feuerwehrkameraden und den jungen Nachwuchs wieder zu einer einsatzfähigen Wehr zusammenzuschmieden. Unter Ortsbrandmeister Wilhelm Bickel sen. erhielt die Wehr am 15. August 1950 eine gebrauchte Motorspritze, wodurch die Schlagkraft bedeutend erhöht wurde.

In den Jahren 1953/54 wurde die Ortsdurchgangsstraße erstmals mit einem Asphaltbelag versehen. Die Straßeneinweihung erfolgte am 13. November 1954.

1954 wurde das 60jährige Bestehen der Wehr gefeiert. Dazu wurde am Standort des jetzigen Feuerwehrheimes mit Holzstangen eine provisorische Überdachung geschaffen. Der Sportplatz diente als Festplatz.

Am 18. März 1961 konnte Ortsbrandmeister Wilhelm Bickel sen. auf der Generalversammlung bekanntgeben, daß die Gemeindevertretung den Kauf einer neuen Motorspritze beschlossen hat. 36 Aktive zählte die Wehr 1962, als am 17. November erstmals die neue Motorspritze ausprobiert werden konnte. Unter der Leitung von Wilhelm Bickel sen. wurden immer wieder junge Feuerwehrleute auf Lehrgänge geschickt, um deren Wissensstand weiter zu erhöhen.

Der spätere Kommandant Adam Geiß regte 1964 die Anschaffung von Arbeitsanzügen und Helmen an.

Im August 1964 feierte man das 70jährige Bestehen der Wehr. Dazu wurde auf dem ehemaligen Sportplatz ein Festzelt aufgestellt. Neben dem Feuerwehrdienst verstand es die Wehr schon immer, gesellige Stunden nicht zu kurz kommen zu lassen. So wurden schon vor etlichen Jahrzehnten Kostümbälle, Frühjahrsbälle, Osterbälle, Sommernachtsfeste und Familienabende veranstaltet. Diese Veranstaltungen fanden seinerzeit wechselweise in den Sälen von Michael Getrost (heute Gaststätte "Zum Goldenen Anker") und Wilhelm Kadel (ehemals Gaststätte "Zum Goldenen Adler", Weißkopp) statt.

Im Jahre 1965 wurde von der Bauunternehmung Steinmann in der Gewann "Hässelshall" (Anhöhe zwischen Zotzenbach und Unter-Mengelbach) ein neuer Hochbehälter errichtet, welcher noch in Betrieb ist. Sein Fassungsvermögen beträgt 250 m3. Etwa die Hälfte hiervon ist als Brandreserve vorgesehen, um im Ernstfall über ausreichend Wasser verfügen zu können.

Bei der Generalversammlung im Dezember 1967 stellte Wilhelm Bickel sen. sein Amt als Ortsbrandmeister aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung, führte es jedoch kommissarisch noch ein Jahr weiter. In der gleichen Sitzung wurde an die Gemeinde der Antrag gestellt, das Gerätehaus an der Schule fertigzustellen. Außerdem soll für die Wehr ein Fahrzeug (überdacht) oder ein Anhänger beschafft werden. Naßübungen konnten nicht durchgeführt werden, da es an einer Schlauchtrockenanlage fehlte. Ferner wurde im Dezember 1967 beschlossen, eine Herbstauwand zum Preis von 800 DM anzuschaffen.

Vierundzwanzig Jahre, beginnend im März 1968, wurde von den Motorsportfreunden das traditionelle Bergrennen veranstaltet. In all diesen Jahren hat unsere Wehr an jeweils zwei Tagen entlang der Rennstrecke den Brandschutz übernommen.

Am 7. Dezember 1968 wurde Adam Geiß im Gasthaus "Zum Pflug" einstimmig zum Ortsbrandmeister gewählt. Er löste damit Wilhelm Bickel sen. ab, welcher der Wehr 20 Jahre vorstand. Die Wehr zählte damals 32 Aktive. Bürgermeister war zu dieser Zeit Hans Fendrich. Dieser sagte zu, daß bis zum 75jährigen Bestehen im Jahr 1969 das Spritzenhaus fertiggestellt werden soll.

Zum 75jährigen Stiftungsfest im Juni 1969 wurde das Gerätehaus an der Schule eingeweiht. Ein eigens gegründeter Festausschuß sorgte dafür, daß das Fest in einem würdigen Rahmen gefeiert wurde.

Am 16. März 1969 wurde der ehemalige Kommandant und Bürgermeister Nikolaus Bickel zu Grabe getragen.

Im Dezember 1969 wurde rege über die Anschaffung eines Feuerwehrautos debattiert. Der Bürgermeister berichtete, daß bereits drei Anträge zur Zuteilung eines Autos gestellt worden seien. Die Wehr erklärte sich bereit, bei der Anschaffung eines Autos 8000 DM beizusteuern. Aufgrund der energischen Unterstützung durch Bürgermeister Hans Fendrich konnte die Wehr am 20. März 1970 ihr neues Löschfahrzeug in Ulm abholen. "Dies war ein großer Tag für unsere Wehr" vermerkte der damalige Schriftführer Nikolaus Bangert voller Stolz in seinem Protokollbuch. Die feierliche Übergabe des Löschfahrzeuges erfolgte am 20. Juni 1970 in Anwesenheit des Kreisbrandinspektors Neudecker und dessen Stellvertreter Schwöbel. Die musikalische Umrahmung erfolgte durch die Feuerwehrkapelle Mörlenbach.

Durch das Feuerwehrauto wurde die Wehr in die Lage versetzt, auch bei größeren Bränden wirkungsvoll eingreifen zu können. Die Bannung von Hochwasser war nun einfacher zu bewerkstelligen. Bei einigen größeren Einsätzen in den Nachbarorten wurde auf unsere Wehr zurückgegriffen.

Die ersten beiden Atemschutzgeräte wurden 1971 angeschafft. In den siebziger Jahren wurde eine starke Zunahme der Lehrgangsteilnehmer verzeichnet. Die Zahl der jährlichen Feuerwehrübungen wurde unter Adam Geiß von früher sechs auf nunmehr zehn erhöht.

Am 15. April 1971 ist die Wehr zu einem Zimmerbrand im Gasthaus "Zum Laternchen" ausgerückt.

1972 jährte es sich zum 25. Mal, daß Nikolaus Bangert das Amt des Schriftführers und Rechners übernommen hatte.

Trotz der Eingliederung der Gemeinde 1972 nach Rimbach konnte die Freiwillige Feuerwehr Zotzenbach ihre Selbständigkeit bewahren.

Nur kurz währte die Ruhe der Brandschützer am 28. Oktober 1973. Nur wenige Stunden nach der Abschlußübung im Steinbühl ertönten mitternächtlich die Sirenen. Der Anlaß hierzu war ein Dachstuhlbrand beim Anwesen Schütz in der Sportplatzstraße, welcher rasch unter Kontrolle gebracht werden konnte. Die Löscharbeiten wurden durch starken Frost erheblich erschwert. Nach dem Einsatz war ein beträchtlicher Teil der Sportplatzstraße eine einzige Eisbahn.

Beim Scheunengroßbrand auf dem Kreuzberghof am 16. August 1975 war unsere Wehr ebenfalls im Einsatz.

Im Jahre 1977 wurde die gesamte Ortsdurchfahrt neu ausgebaut. Bürgersteige wurden angelegt und im Fahrbahnbereich ein neuer Asphaltbelag eingebaut. Ausgenommen hiervon wurde der Ortskern auf einer Länge von ca. 300 m. Den Politikern ist es seither nicht gelungen, für den Ausbau dieser Teilstrecke im Einklang mit der Bürgerschaft einen trag- und durchsetzungsfähigen Kompromiß zu finden.

Höhepunkt des Jahres 1977 war für die gesamte Gemeinde die 1100-Jahr-Feier. Die Feuerwehr, und hier Hans Peter Galfe, wurden mit der Planung und Organisation eines Festzuges beauftragt. Aufgrund umfangreicher Arbeiten gelang es, am 11. September 1977 den Festzug starten zu lassen. Er umfaßte 34 Zugnummern und war hinterher in der Presse als Glanzleistung bezeichnet worden.

Im gleichen Jahr wurden erste Preisangebote für eine neue Fahne eingeholt. Im April 1978 stellte der spätere Fahnenlieferant, Herr Buri, einige Exemplare vor. Die Kosten wurden mit 4.500 DM beziffert. Die Fahnenweihe erfolgte zum 85jährigen Bestehen, welches im August 1979 gefeiert wurde. Dazu wurde auf dem ehemaligen Sportplatz ein großes Festzelt aufgestellt. Das Fest fand bei der Bevölkerung großen Anklang.

Ende 1979 wurden die ersten drei Handsprechfunkgeräte angeschafft. Auf deren Einsatz zu verzichten, ist heute nicht mehr denkbar.

Etwa 1980 wurde die Wassergewinnung in dem Gewann "Finsterklingen" eingestellt. Die landwirtschaftliche Nutzung im Quellbereich ließ eine weitere Wassernutzung nicht mehr ratsam erscheinen. Der Behälter in der "Welseck" hatte somit in den letzten Jahren nur noch die Funktion eines zusätzlichen Vorratsbehälters als Ergänzung zum größeren Behälter in der "Hässelshall". Um eine erforderliche Sanierung des Behälters in der "Welseck" aus Kostengründen zu vermeiden, wurde dieser zum Jahresende 1993 vollkommen außer Betrieb gesetzt.

Im Jahre 1981 wurde mit dem Bau der Trommhalle und des heutigen Gerätehauses begonnen. Damit waren die seit 1976 gehegten Wünsche bezüglich der Erweiterung des alten Gerätehauses hinfällig geworden; zugunsten einer großzügigeren Lösung, wie man heute weiß.

Nach 13 Jahren als Kommandant stellte sich Adam Geiß nicht mehr zur Wiederwahl, so daß am 12. Dezember 1981 Wilhelm Bickel jun. zum Wehrführer gewählt wurde. Sein Stellvertreter wurde Herbert Müller.

Die Einweihung des neuen Gerätehauses erfolgte am 18. September 1982 und wurde verbunden mit dem 10jährigen Bestehen der Jugendwehr. Im gleichen Jahr ging die Unterkunft des seitherigen Vereinsheimes auf die Feuerwehr über. In der übernommenen Unterkunft, fortan Feuerwehrheim genannt, konnte die nachfolgend beschriebene Wettkampfgruppe ihre theoretische Ausbildung ständig erweitern.

Ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung unserer Wehr war der Januar des Jahres 1982. Zu dieser Zeit wurde bei Jürgen Winkler im Steinbühl (altes Haus) von Peter Rettig, Eberhard Bickel, Jürgen Winkler, Klaus Rauch, Albert Dietz, Georg Leideritz und Dieter Breunig die Wettkampfgruppe ins Leben gerufen. Ziel und Zweck war und ist es auch heute noch, den theoretischen Wissensstand, Kameradschaft und die Einsatzbereitschaft zu fördern. Mit der Unterstützug der Rimbacher Kameraden Schuch und Kadel wurde der theoretische und praktische Unterricht aufgenommen. 1983 wurden die erforderlichen Hindernisse (Hürde, Leitergestell, Tunnel, etc.) angeschafft und erstmals an den Kreisleistungswettkämpfen teilgenommen. Von den einhundert Feuerwehren des Kreises Bergstraße beteiligen sich Jahr für Jahr etwa 15 - 20 Wehren an diesen anspruchsvollen Wettkämpfen.

Das 90jährige Bestehen wurde lediglich im Rahmen eines Grillfestes im August 1984 gefeiert. Im gleichen Jahr fand erstmals der Kommandantenball des Kreisfeuerwehrverbandes in Zotzenbach statt, mit seiner Durchführung wurde die Wehr 1987 ein zweites Mal betraut.

Am. 7. Juni 1985 wurde die Wehr zu einem Deckeneinsturz der Firma Fendrich, Bahnhofstraße, gerufen.

1986 wurde Wilhelm Bickel jun. in seinem Amt als Wehrführer bestätigt und Georg Leideritz zu seinem Stellvertreter gewählt. Im gleichen Jahr war der Tod des Ehrenkommandanten, Wagnermeister Wilhelm Bickel sen. zu beklagen. Mit ihm verlor die Wehr eine herausragende Persönlichkeit der Nachkriegszeit.

1987 brannten die Hütte des Jagdpächters und das Vogelschutzhäuschen ab.

Im Jahre 1988 wurden die ersten fünf Meldeempfänger angeschafft. Damit wurde eine Verbesserung der Einsatzalarmierung erreicht. Die verantwortlichen Feuerwehrleute führen diese Empfängergeräte ständig bei sich und werden bei einem Einsatz von der Leitstelle in Heppenheim alarmiert. Man spricht von der sogenannten stillen Alarmierung. Diese hat den Vorteil, daß bei kleineren Einsätzen auf die Sirenenalarmierung verzichtet werden kann. Eine Beunruhigung der Bevölkerung wird damit vermieden.

Im Jahre 1988 feierte Zotzenbach das 1111jährige Bestehen. Dazu fand am 11. September ein Festzug statt, an welchem sich auch die Feuerwehr beteiligte.

Am 16. Dezember 1988 wurde der langjährige Bürgermeister und Ehrenmitglied, Maurermeister Adam Steinmann zu Grabe getragen. Er war maßgeblich am Aufbau von Zotzenbach beteiligt. Die Ortsvereine fanden bei ihm stets ein offenes Ohr, wenn sie um Unterstützung baten.

Auf der Generalversammlung am 30. Dezember 1988 trat Wehrführer Wilhelm Bickel jun. vorzeitig von seinem Amt zurück. Für die verbleibende Amtsperiode bis 1991 wurde Georg Leideritz zum Wehrführer und Peter Rettig jun. zu dessen Stellvertreter gewählt.

Zur Verbesserung der Löschwassersituation "Im Gräben" wurde 1989 auf dem Anwesen Vollrath unter Federführung von Roland Treuer ein Stauwehr errichtet.

In Anerkennung seiner Verdienste um die Feuerwehr wurde 1989 der langjährige Ortsbrandmeister Adam Geiß zum Ehrenwehrführer ernannt.

Aufgrund umfangreicher Renovierungsarbeiten des Kindergartens sollte nach den Worten des damaligen Pfarrers Herbert ab August 1989 eine Gruppe für etwa 6 - 7 Wochen im Feuerwehrheim untergebracht werden. Tatsächlich wurden beide Gruppen bis zum März 1990 hier betreut.

Im Januar und Februar 1990 kam es mehrfach zu orkanartigen Stürmen. Der fünfte und zugleich schwerste Orkan "Wiebke" zerstörte in der Nacht vom 28. Februar zum 1. März 1990 etliche Hektar Wald, vornehmlich alte Buchenbestände. Unzählige Bäume entwurzelten oder sind abgeknickt. Die größten Schäden entstanden in der Gewann "Winterhall" und oberhalb der Sängerwarte am alten Steinbruch. Viele umgestürzte Bäume blockierten die Rennstrecke und Zufahrten zu verschiedenen Anwesen wie z. B. Hasenbühl. Bei einigen Häusern wurde die Ziegeleindeckung in Mitleidenschaft gezogen. Durch viele Einsätze über mehrere Tage wurden von unserer Wehr die Bäume auf der Rennstrecke beseitigt, Zufahrten zu Wohnhäusern von Bäumen geräumt und Dacheindeckungen vorgenommen.

Da in Zotzenbach einige Betriebe mit Gabelstaplern angesiedelt sind, wurde 1991 ein Hebekissen mit 10 Tonnen Tragkraft angeschafft.

Am 17. Februar 1991 erfolgte die offizielle Übergabe des neuen Löschgruppenfahrzeuges LF 8, welches am 6. Juli 1990 abgeholt wurde. Der Antrag hierzu wurde 1986 an die Gemeinde gestellt. Das 4.250 DM teure Funkgerät bezahlte die Wehr aus ihrer Kasse. Das alte LF 8 wurde kostenlos an die Feuerwehr in der Gemeinde Wust abgegeben. Die Gemeinde Wust liegt ca. 60 km nordöstlich von Magdeburg im neuen Bundesland Sachsen-Anhalt.

Am 1. Juni 1991 fand erstmals ein "Feuerabend" statt. Der Hauptmitwirkende war dabei Robby Walthes aus Zotzenbach. Daß dieser Abend in jeder Hinsicht ein einzigartiger Erfolg war, läßt sich daran erkennen, daß alle Plätze in der Trommhalle eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung restlos besetzt waren. Groß war die Enttäuschung bei der Wehr, als der "Feuerabend" 1992 nur mäßige Resonanz fand. Und das, obwohl erstklassige Künstler auftraten.

1991 wurde ein Notstromaggregat angeschafft, welches in den vergangenen Jahren schon mehrfach eingesetzt wurde.

Aufgrund aufgetretener Feuchtigkeitsschäden am Feuerwehrheim mußten im Herbst 1992 aufwendige Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. Dazu wurde auf mehr als 30 m Länge die Außenwand 2 m tief freigelegt. Vorstehender Beton wurde abgespitzt, die Wand isoliert und eine Dränage verlegt. Die Feuerwehrkameraden wendeten hierfür in wochenlanger Arbeit etwa 500 Arbeitsstunden auf. Die Gemeinde mußte somit nur die Materialkosten übernehmen.

An dieser Stelle sei der Gemeinde Rimbach und hier besonders Bürgermeister Erich Nauth für die seitherige Unterstützung und vertrauensvolle Zusammenarbeit herzlich gedankt.

In früheren Jahrzehnten wurden im Zuge von innerörtlichen Bachverdolungen Vorrichtungen für einen Wasseraufstau mit eingebaut.

Von seiten der Gemeinde Rimbach ist vorgesehen, auch an offenen Bachbereichen Staumöglichkeiten zu schaffen. Diesbezügliche Vorbereitungen wurden für den Bereich der Brücke in der Bachgasse getroffen. Außerdem sollen an der Brücke zur Einfahrt auf den Parkplatz der Trommhalle entsprechende Vorrichtungen eingebaut werden.

Aufgrund der geringen Niederschlagsneigung der vergangenen Jahre ist der Grundwasserspiegel deutlich gesunken. Dies wurde vom Regierungspräsidium in Darmstadt zum Anlaß genommen, für die Sommermonate des Jahres 1993 den Wassernotstand auszurufen. Dies hatte zur Folge, daß für Übungszwecke kein Wasser mehr aus den Hydranten entnommen werden durfte.

Wie in den vorausgegangenen Jahren fand auch im Juni 1993 am Gerätehaus wieder ein Familientag statt. Damit verbunden war eine Kinderbelustigung, welche großen Anklang fand.

Am. 25. Juni 1993 mußte ein Brand auf der Grünschnittdeponie in der Aspenklamm bekämpft werden.

Am 23. Mai 1993 nahm die Wettkampfgruppe zum zehnten Mal an den Kreisleistungswettkämpfen teil, welche diesmal in Einhausen stattfanden. Unsere Aktiven belegten dabei einen beachtlichen fünften Platz, die bisher beste Plazierung.

Nach dreimaliger erfolgreicher Teilnahme erhalten die Teilnehmer das Eiserne Leistungsabzeichen. Dies steigert sich über Bronze und Silber bis hin zum Goldenen Abzeichen bei sechsmaliger erfolgreicher Teilnahme. Mittlerweile haben sieben Kameraden das Goldene Abzeichen und weitere vier Kameraden wurden mit Silber, Bronze und Eisen ausgezeichnet.

Die Zotzenbacher Wehr zählt damit zu einer der am besten ausgebildeten Feuerwehren im Kreis Bergstraße, so Kreisbrand- und Ortsbrandmeister Heinz Allert auf dem Kameradschaftsabend im November 1993.

Die zweite Hälfte des Jahres 1993 stand im Zeichen der Vorbereitungen für die Festlichkeiten zum 100jährigen Bestehen 1994. Hierzu zählte auch die außerordentliche Mitgliederversammlung vom 26. November 1993 mit dem einzigen Tagesordnungspunkt der Verabschiedung einer Vereinssatzung. Dies war Voraussetzung für die Anerkennung als gemeinnütziger Verein.

Aufgrund länger anhaltender Niederschläge kam es wenige Tage vor Weihnachten 1993 zu verheerenden Überschwemmungen u. a. im Neckartal. Die gemessenen Pegelstände der letzten einhundert Jahre wurden dabei übertroffen. Auch unsere Wehr beteiligte sich am 23. Dezember 1993 bis in die Abendstunden mit fünf Mann an der Säuberung eines Straßenabschnittes in Neckarsteinach.

Wenige Tage zuvor mußte zu nächtlicher Stunde Treibgut aus dem Zotzenbach in Höhe des Rathauses beseitigt werden, um eine Verstopfung des Durchlasses und damit Überflutung der Hauptstraße zu verhindern. Anschließend wurden noch zwei überflutete Keller leergepumpt.

Anläßlich der Überreichung von Goldenen Leistungsabzeichen zeigte sich Kreisbrandinspektor Herbert Funk auf der Generalversammlung am 29. Januar 1994 erfreut darüber, daß die Wehr über einen solch hohen Ausbildungsstand verfügt.

Der Brandschutz in unserem Ort mit seinen ca. 2.200 Einwohnern ist somit gewährleistet.

Finanzielle Unterstützung zur Anschaffung von Gerätschaften und Bekleidung erhält die Wehr von der Gemeinde Rimbach und nicht zuletzt von ihren dreihundert fördernden Mitgliedern.

Der Einsatzbereich unserer Wehr ist nicht nur auf die geschilderten Hilfeleistungen und Brandbekämpfungen begrenzt, sondern von wesentlich größerer Bandbreite. Immer wieder kommt es vor, daß, um nur einiges zu nennen, Kaminbrände bekämpft, Ölspuren beseitigt und Unfallstellen gesichert werden müssen. Besonders die technische Hilfeleistung in Not- und Unglücksfällen hat dabei in den letzten Jahren erheblich zugenommen. In Zukunft wird es mehr als bisher Aufgabe der Feuerwehr sein, durch Aufklärung der Bevölkerung, beginnend in der Schule, einen vorbeugenden Brandschutz zu betreiben.

Rückblickend kann man feststellen, daß die Festlichkeiten im Jahre 1994 nur möglich sind, weil sich in den vergangenen einhundert Jahren immer wieder verantwortungsbewußte Bürger mit dem Ziel zusammengeschlossen haben, den Mitmenschen in der Not zu helfen. Dies geschieht freiwillig und uneigennützig. Der Dank und Respekt gilt daher all jenen Wehrmännern, die einen Teil ihrer Freizeit den Belangen der Freiwilligen Feuerwehr geopfert haben. Die meisten Mitglieder unserer Altersabteilung waren über vier und fünf Jahrzehnte hinweg in der Einsatzabteilung tätig. Ernst Geiß sen. gehört der Wehr bereits mehr als sechzig Jahre an.

Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, daß es auch in Zukunft immer wieder Menschen geben möge, die den Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr aufgeschlossen gegenüberstehen und sich hierbei tatkräftig engagieren.

Nur so können auch in Zukunft die Herausforderungen getreu dem Wahlspruch "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" bewältigt werden.

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